Usinger Konrad-Lorenz-Schule schließt Kooperationsvertrag mit Handwerkskammer über berufsnahe Ausbildung
Die Kooperation soll helfen, Handwerksbetriebe und ausbildungswillige Schüler zusammenzubringen. Die Schüler befinden sich in einer komfortablen Ausgangssituation, da die Betriebe oft händeringend Auszubildende suchen. Im Arbeitsamtsbereich Frankfurt beispielsweise, so Riess, stehen 92 Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz 1000 noch offenen Stellen gegenüber. „In der Region gibt es ein Riesenangebot für junge Menschen, da findet jeder seine Chance“, machte er den anwesenden Klassensprechern Mut.
Lorraine Schmidt zitierte bei der Feierstunde eingangs Alfred Dregger mit den Worten „Unser Reichtum sind nicht die Mundwerker, sondern die Handwerker.“ Sie sei sehr stolz und glücklich über die Kooperation mit der Handwerkskammer. Einen frühzeitigen Einblick in Berufsabläufe erhoffte sich Werner Althenn, Konrektor der KLS. „Wir brauchen junge Leute, die einen Nagel in die Wand schlagen können und nicht sofort aufgeben, wenn es anfangs nicht klappt.“
Früher habe man an der KLS die Schüler je nach Abschluss in Rennpferde (Gymnasiasten) und Ackergäule (Haupt- und Realschüler) eingeteilt. Alle, so Althenn, wollen mittlerweile Rennpferde sein, aber „wir brauchen auch Ackergäule, die den Karren aus dem Dreck ziehen“. Jenen, die willig seien, so forderte der Pädagoge weiter, müsse man eine reale Chance geben, denn „auch Ackergäule brauchen eine Perspektive, eben Futter, eine Weide und einen Stall“.
Diesem bildhaften Vergleich schloss sich Handwerkskammergeschäftsführer Riess lächelnd an und fügte hinzu: „Auch Rennpferde benötigen Handwerker, sei es für die Hufeisen oder den Sattel.“ Die akademische und berufliche Ausbildung müssen gleichwertig anerkannt werden.“ In der heutigen Zeit sei, so der Handwerkskammergeschäftsführer, ohnehin ein lebenslanges Lernen gefordert und mit einer Ausbildung und einem Meisterbrief könne man auch studieren.
Das Handwerk sei mit seinen 120 Berufen von A wie Augenoptiker bis Z wie Zahntechniker unglaublich vielfältig, da sei wirklich für jeden etwas dabei. Und 60 Prozent der Azubis seien auch heute noch Haupt- und 30 Prozent Realschüler.
Die Schüler hatten in der Feierstunde die Gelegenheit Fragen zu stellen. Dabei interessierten die Jugendlichen, welche Berufe es gibt, wie lange eine Ausbildung dauert und wie viel Geld man verdient. Die Chancen, nach einer Ausbildung übernommen zu werden oder in einem der 31000 Handwerksbetriebe im Rhein-Main-Gebiet Arbeit zu finden, sehen laut Riess gut aus. Auch eine Ausbildung ohne Schulabschluss sei prinzipiell möglich. Die Handwerkskammer unterstütze auch Jugendliche, die im Ausland arbeiten wollen. „Das deutsche Handwerk ist auch im Ausland sehr beliebt.“
Dr. Regina Sell richtete als Kreisbeigeordnete des Hochtaunuskreises die
Grüße von Landrat Ulrich Krebs aus. Mit den Worten „auch ich war ein
Ackergaul“ stellte sich Usingens Bürgermeister Steffen Wernard vor. Mit
Motivation könne man viel erreichen, motivierte der ehemalige
KLS-Schüler die Jugendlichen zum Engagement, „auch ich hätte nie
gedacht, dass ich eines Tages Bürgermeister werde.“
An der KLS nehmen schon jetzt alle Siebtklässler der Real- und Hauptschule an einem Kompetenzfeststellungs-verfahren teil, bei dem sie ihre Fähigkeiten kennenlernen und die Unterschiede in Selbst- und Fremdwahrnehmung erfahren. Im Januar besuchen dann alle Achtklässler des Hauptschulzweigs der KLS zwei Wochen lang das Ausbildungszentrum der Handwerksammer in Frankfurt, um dort in unterschiedliche Berufe reinzuschnuppern.(bs). Lächelnd unterzeichneten gestern Lorraine Schmidt, Schulleiterin der Konrad-Lorenz-Schule (KLS), und Dr. Christof Riess, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, in der Schule einen Kooperationsvertrag für eine Betriebs- und Lernpatenschaft zwischen Handwerkskammer und Schule. Die KLS ist die erste Schule im Usinger Land, die mit der Handwerkskammer in diesem Bereich zusammenarbeitet.
Mit freundlicher Genehmigung des Usinger Anzeiger









