Konrad-Lorenz-Schule, Usingen

 

 

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KLS  in der Presse

 

Vom langen Warten auf die neue Schule

13.12.2010 - USINGENHannes Schiller

Von Katja Kruse-Winter

Hannes Schiller macht sich Gedanken über frühe Auslese, Perspektiven für Schüler und einen angemessenen Neubau

Was haben sich alle gefreut: Endlich gehören unsere Schüler nicht mehr zu den Schlusslichtern im länderübergreifenden Pisa-Vergleich. Zumindest in Naturwissenschaften und Mathematik haben sie deutlich aufgeholt. Grund zur Freude? Durchaus, aber auch Grund, um sich die Schullandschaft etwas genauer anzuschauen. Und da ist mitunter festzustellen: Es gibt sicher einige Gewinner, aber auch viele, vielleicht zu viele, Verlierer. Denn, nach wie vor zeigt das Pisa-Ergebnis, dass der Bildungserfolg in hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängt. Dieses Thema treibt auch Hannes Schiller, Lehrer an der Usinger Konrad-Lorenz-Schule (KLS) und Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), um. Aus dieser Feststellung entsteht nach seiner Überzeugung die dringende Notwendigkeit, gerade in die Schulformen „unterhalb der Gymnasien“ zu investieren.

Die Usinger Haupt- und Realschule habe als einzige im Kreis noch eine Förderstufe und integrative Strukturen bis in die siebte Klasse. „Die frühe Auslese nach der Grundschule hat nach meiner Meinung den Effekt, dass schwächere Schüler demotiviert werden und zunehmend die positiven Beispiele fehlen“, sagt Schiller. Mit der Verlängerung der Förderstufe bis zum 8. Schuljahr und gezieltem sozialen Lernen will die KLS ihre Schülerinnen und Schüler fördern und für sie eine positive Perspektive erreichen. Dass zum erfolgreichen Lernen allerdings auch ein positives Umfeld gehört, ist nicht neu. Als umso wichtiger erachtet er, mit dem Neubau, auf den die Schulgemeinde immerhin bis dato länger als ein Jahrzehnt gewartet hat, nun zügig zu beginnen. Eine moderne Schule mit Mensa, Aula und lerngerechten Räumen fehlt, seit er an diese Schule gekommen ist - und das ist jetzt fast 30 Jahre her. Doch auch hier gebe es bereits erste Stimmen, die darüber berichten, die ursprünglich vorgesehene Investitionssumme sei inzwischen halbiert worden, auf die Sporthalle und auf einige Klassenräume solle verzichtet werden . Die vorgesehenen Ansätze im Kreishaushalt belegen diese Vermutung. Und warum? „Begründet wird es damit, dass die Schülerzahlen immer weiter sinken“, so Schiller. Dass sie allerdings auch deshalb sinken, weil die Schule einfach kein attraktives Arbeitsumfeld bieten könne, das werde verschwiegen. Die Schule sei zudem in das Umplanungs- und Einsparverfahren kaum einbezogen und es bleibt deshalb für die Betroffenen nicht nachvollziehbar. Und genau hier werde für ihn, für seine Kollegen, für Schüler und Eltern auch ein gewisser fehlender Respekt deutlich, der sich am teilweise maroden Umfeld manifestiere. Viele seiner Kollegen hätten sich lange Zeit mit Verantwortlichen von Bauämtern hingesetzt, um die beste Lösung für die Schule zu erreichen. Nachdem aber immer mehr Zeit ins Land gegangen sei, andere Schulen mitunter mit Neubauten an der KLS vorbeigezogen seien, droht nun, dass sich immer mehr Lehrer zurückgeziehen, frustriert darüber, dass sie Zeit investiert haben für Pläne, die dann doch nicht abgerufen worden seien. „Mit so einem Verfahren gibt man die Schule dem Niedergang preis“, findet Schiller.

Dabei gebe es seiner Meinung nach so viel zu tun, erlebten er und seine Kollegen die Herausforderungen des Schulalltags jeden Tag. Allein, „uns fehlen die Ressourcen, um wirklich systematisch zu fördern“, sagt Schiller. Die Stimmung an der KLS sei zwar grundsätzlich gut, das Kollegium arbeite engagiert zusammen, doch es fehle unter anderem an unterstützenden Fachkräften, wie etwa weiteren Sozialpädagogen. Und selbst bei bestehenden Arbeitsverhältnissen schwebe über allem das Damoklesschwert der Einschnitte oder gar des schnellen Endes, sobald die Gelder fehlen. Vieles sei schon bewegt worden: So gebe es unter anderem zwei sogenannte Schub-Klassen. Schub steht für Schule und Beruf. Hier werden Hauptschüler der achten und neunten Klasse zusammengefasst und konsequent auf die Arbeitswelt vorbereitet. Eine Aufgabe, die ohne die Unterstützung einer Sozialpädagogin - die an der KLS wird vom Land bezahlt - nicht möglich wäre. Dabei würden die Aufgaben immer vielfältiger, sei der Lehrer auch im außerschulischen Betreuungs- und Erziehungsbereich gefordert. Nicht zuletzt, weil auch die Eltern mit der Erziehung oftmals überfordert seien, Unterstützung und Beratung benötigen und oft ihre Aufgaben an die Lehrer übergeben. Umso wichtiger, findet Schiller, allen Beteiligten im System Schule gerecht zu werden. Das bedeute für ihn, alle Schüler mitzunehmen, zu fördern und nach Kräften zu unterstützen.

Das kostet Geld und das muss man bereit sein auszugeben und damit Schwächere und Stärkere entsprechend ihren Fähigkeit zu fördern. Denn letztendlich kommt eine nach diesem Grundsatz entwickelte Schullandschaft allen zugute.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Usinger Anzeigers

 

 

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