Senegalesen an der Konrad-Lorenz-Schule zu Gast - Seit zwei Jahren Kontakt nach Afrika
Sie hospitieren im Unterricht und lernen das Leben in ihren Gastfamilien kennen, und sie unternehmen Ausflüge nach Frankfurt, an den Rhein und in den Hessenpark. Seit zwei Jahren pflegt die KLS den Kontakt zu ihrer senegalesischen Partnerschule, einem College mit etwa 500 Schülern, an dem ganztägig unterrichtet wird. Die Gastschüler kommen aus dem Nordosten des westafrikanischen Landes, dessen Amtssprache Französisch ist. Sie leben in einem etwa 3 000 Einwohner zählenden Ort namens Mboundoum, etwa 60 Kilometer von Atlantik entfernt. „Das ist tiefstes Afrika“, berichtet Christine Pieper, Konrektorin an der KLS, die mit ihrer Kollegin Ulrike Götz, einem Vater und 13 Französisch-Schülern im Februar dort war. „Die Vegetation dort ist karg, alles ist sehr staubig, die Leute haben kein fließendes Wasser, leben in Hütten aus Lehm und Bambus, kochen im Freien und waschen sich und ihre Sachen im Fluss.“ Auch asphaltierte Straßen gebe es nicht, ebenso wenig wie Temperaturen unter 20 Grad. Die KLS-Gruppe übernachtete während ihres Aufenthalts dort in einem Gästehaus, die Schüler hatten darüber hinaus aber ebenfalls Gastfamilien, mit denen sie einige Zeit verbrachten.
Die Unterschiede zur Lebensweise in Deutschland sind also denkbar groß, und so ist es kein Wunder, dass die senegalesischen Schüler, die Pieper in ihrem Heimatland als temperamentvoller kennengelernt hat, sich in Deutschland sehr zurückhaltend verhalten. „Ähnlich wie wir im Senegal sind die Senegalesen jetzt hier fasziniert und teilweise sprachlos, einige trauen sich nicht, deutsch zu sprechen. Sie sind ziemlich ruhig, aber es ist nicht so, dass sie neidisch sind oder die Sprache nicht verstehen. Sie sind unheimlich nett, wissbegierig und genügsam und freuen sich über alles, was man ihnen zeigt”, so die Erfahrung von Pieper. Fragt man die Schüler, ob es ihnen hier gefällt, blitzt Begeisterung in ihren Augen auf. Einfach alles sei gut, sagt einer der Jungen und das Beste überhaupt sei die Schule. Alles sei so schön, sauber und geordnet hier, das liege sicher daran, dass die Deutschen früh aufstehen und viel arbeiten, glaubt die Lehrerin Frau Gueye, die Germanistik studiert hat.
Pieper hat beobachtet, dass die senegalesischen Schüler - ein großer Teil von ihnen sind Kinder von Reisbauern - großes Interesse an einem Vortrag über die Bedeutung von Holz und Wald im Hessenpark zeigten. Eine Dolmetscherin hatte den Text für sie übersetzt. Faszinierend sei auch der Ausflug an den Rhein gewesen, sie kennen den Fluss aus Abbildungen in ihrem Deutschbuch. Die KLS-Schüler, die die Senegalesen bei sich aufgenommen haben, berichten, dass sie gut mit ihnen klarkommen. In den Familien verhielten sich die Gäste weniger schüchtern, sodass man gut in Kontakt komme. Pieper ergänzt, dass man ihnen freilich alles erklären müsse, wie ein Wasserhahn oder ein Haushaltsgerät funktioniert. „Es sind Kinder, deren Eltern wollen, dass sie etwas lernen, dass sie vielleicht studieren und eines Tages ins Ausland gehen“, sagt sie, und sie hat gesehen, wie sehr sie sich darum bemühen: „Sie lernen hoch motiviert unter primitivsten Bedingungen”. Das Schulgebäude in Mboundoum sei abbruchreif, 40 bis 50 Schüler gingen in eine Klasse und sie teilten sich zu dritt oder zu viert ein Buch. Der Sinn des Schüleraustauschs, gerade mit einem so ganz anderen Land, liegt auf der Hand. Beide Seiten können ihren Horizont in extremem Maß erweitern. Neben dem kulturellen und landeskundlichen Austausch werden soziale Kompetenzen wie respektvoller Umgang, Konfliktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit als auch Selbständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen geübt und gefestigt, wie Pieper unterstreicht.Im Rahmen des Schüleraustausches der Konrad-Lorenz-Schule in Usingen mit dem Collège in Mboundoum (Senegal) verbrachten 11 senegalesische Schüler, der Direktor und die Deutschlehrerin 9 erlebnisreiche Tage in Deutschland.
Die Gäste waren in Familien untergebracht und erlebten so den dt. Alltag hautnah.Sie nahmen an 4 Tagen am Unterricht teil und spielten sogar beim jährlich stattfindenden Streetballturnier mit.
Deutsche und Senegalesen verbrachten einen ganzen Tag am Rhein. Somit konnten die Afrikaner „live“ das sehen, was sie bisher in ihrem Deutschbuch nur gelesen hatten.
Von St.Goarshausen ging es mit dem Schiff bei herrlichem Wetter bis Assmannshausen, von dort mit dem Sessellift in den Niederwald, zu Fuß zum Niederwalddenkmal mit traumhaftem Blick in die Rheinebene und durch die Weinberge mit „Naschpausen“ nach Rüdesheim.
Ein anderes Highlight war Frankfurt. Neben den wichtigsten Sehenswürdigkeiten war eine Führung in der Commerzbank Arena angesagt, die die Senegalesen besonders beeindruckte, und ein abschließender Einkaufsbummel. Stets war das S-u. U-Bahn fahren ein großes Erlebnis für die Gäste.
Ein Nachmittag war reserviert für den Hessenpark mit einer Führung durch den Waldlehrpfad. Immer wieder war man von dem deutschen Wald beeindruckt, den es so und in der Gegend von Mboundoum nicht gibt.
Am Abflugtag brachten die Eltern und deutschen Schüler die senegalesischen Gäste zum Flughafen, wo der Abschied doch sehr wehmütig war.
Abschließend ist besonders den Gasteltern zu danken, die alles erdenkliche getan haben, um den Aufenthalt für die Senegalesen so schön wie möglich zu machen.
Christine Pieper und Ulrike Götz
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